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Ed Kazmirski – Pionier des RC-Kunstflugs

Eingereicht
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Ein halbes Jahrhundert später sprechen Modellbauer überall auf der Welt noch immer vom Taurus und von Kazmirskis anderen Konstruktionen. Wenn Sie noch nie davon gehört haben, lesen Sie weiter. Sie möchten ihn vielleicht irgendwann fliegen.

Kazmirkis außergewöhnliche RC-Karriere
Es gab viele Pioniere des frühen RC-Kunstflugs, jeder mit seinem eigenen Beitrag zum Lobby, aber Ed Kazmirski (oft «Kaz» genannt) war mit Ab-stand der berühmteste. Er tauchte auf der nationalen Szene auf, gerade als RC-Kunstflug-Wettbewerbe in Schwung kamen. Bald schien jeder auf dem Flugfeld ein Schulungsflugzeug, eine Cub oder einen Taurus zu fliegen.

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Sogar als Neuling verhalf ihm seine Fähigkeit zur Beherrschung von Relais-Fernsteuerungen zu seinem ersten Sieg bei der angesehenen Detroit Invitational bei seiner ersten Teilnahme. Kaz erwarb sich schnell den Ruf als der zu schlagende Mann unter den damals führenden Piloten. Er war nicht nur ein großartiger Wettbewerbsteilnehmer, er war auch ein einflussreicher Führer, ein Trendsetter und ein autodidaktischer Konstrukteur.

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Er wurde aufgrund seiner ausgedehnten Reisen nach Übersee auch weltweit eine anerkannte RC-Berühmtheit. Zu diesen Reisen gehörten Touren mit RC-Kunst-flug-Demonstrationen nach Afrika und Japan. Er wurde zwei Mal in das US-Kunstflug-Team für die Weltmeisterschaften berufen, wofür er in die Schweiz und nach Belgien reiste. 1965 führte er das Team. Er flog auf dem USS-Lexington-Flugzeugträger für Seeleute der US Navy und demonstrierte RC in einer Baseball-Anlage der Major League vor Tausenden von Chicago-White-Sox-Fans.

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Dies sind nur zwei von vielen Erlebnissen, die Kaz während seiner außergewöhnlichen RC-Karriere hatte. Aber ebenso schnell wie er auf der Kunstflug-Wettbewerbs-Szene er-schien, zog er sich von ihr in den späten Sechzigerjahren zurück, wobei er in erster Linie sagte, dass er mehr Zeit für den Familienbetrieb brauchte. Nach dem Abschied vom RC wandte Kaz sein Interesse der Fotografie zu, womit er sich einen national anerkannten Namen machte.

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Es wurden viele seiner preisgekrönten Fotos in Reisezeitschriften veröffentlicht, zum Beispiel National Geographic Travel. Obwohl Kaz RC hinter sich gelassen hatte, hat er den RC-Kunstflug-Wett-bewerben seinen dauerhaften Stempel aufgeprägt. Ein Mann, der seiner Zeit voraus war. Vie-le Innovationen sind ihm zu verdanken, die den Sport in künftigen Jahren prägen wer-den. Ähnlich wie ein nationaler Gründungsvater ist Kaz nicht vergessen worden. Er sagte später, dass die 11 Jahre im RC die besten seines Lebens waren.

 

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Keine serienmäßig gefertigten Flugzeuge
Als Ed «Kaz» aus Chicago, Illinois, auf der nationalen Szene erschien, war es offensichtlich, dass er ein außergewöhnliches Talent für Fliegen mit RC- Fernsteuerungen hatte. Von Anfang an wollte Kaz nicht mit einem serienmäßig gefertigten Flugzeug antreten. Die früheste Information, die wir haben, berichtet über seinen Wettbewerb im Jahr 1959 mit einer «modifizierten» Astro-Hog (damals eine führende Konstruktion). Sein früher Er-folg bewegte Kaz dazu, für die kommende Saison seine erste originale Konstruktion zu schaffen, den Orion.

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Er bewies die Effektivität seiner frühesten Modifikationen und machte seinen Orion berühmt, indem er ständig Wettbewerbe mit ihm gewann, einschließlich der Weltmeisterschaften 1960, die in jenem Jahr in der Schweiz stattfanden. Top Elite stellte kurz darauf einen Bausatz her. Fast sofort nach seinem Gewinn der Weltmeisterschaften begann Kaz seine Arbeit an einem grundlegend verschiedenen RC-Kunstflugkonzept, das er «Taurus» nannte. In einer Zeitspanne, aus der schließlich eine vier Jahre dauernde Entwicklungsphase wurde, baute er mindestens zwei Prototypen, von denen wir wissen.

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Der Erste basierte auf dem Orion. Dieser würde für uns heute nicht als Taurus erkennbar sein. Das lange Bugmoment und das kurze dicke Heck erwiesen sich als Enttäuschung, wie Ed in einem Interview sagte. Als Lehre aus diesem Versuch entwickelte Kaz den zweiten Prototypen auf Basis für gleichmäßiges Fliegen, mit höherem Luftwiderstand und geringerer, konstanterer Geschwindigkeit.

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Die Flugeigenschaften resultierten aus einem Versuch, ein Flugzeug zu bauen, das so leicht wie möglich war, unter Verwendung relativ dicker Flügel, einer kurzen Nase und eines langen Leitwerksmoments. Diese Konstruktionsmerkmale wurden der Maßstab für alle Taurus-Modelle. Nach allen Er-kenntnissen, die wir beim Studium der Entwicklung mehrerer Taurus-Varianten gewonnen haben, scheint es, dass Kaz nie formale Pläne für seine Konstruktionen Skizzen waren auf grobem braunem Papier gezeichnet. Die frühesten Pläne, die wir haben, waren für den zweiten Prototyp gedacht. Frank Myers hat sie gezeichnet, und er wurde «Prototype Contest Model» genannt. Diese Version ist auf den 6. Dezember 1961 datiert, und sie wurde nach dem fertigen Modell gezeichnet.

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Die Pläne nennen Thanksgiving 1961 als Datum für den ersten Flug. Dieses Modell zeigt eine Pilotenfigur namens «F.U. Kilroy», der Kaz sehr ähnlich sieht und eine Zigarre raucht. Einige der Skizzen waren auf «grobem braunem Papier» gezeichnet. 1962, zwei Monate nach seiner Rückkehr von seiner Tour, flog Kaz seinen Taurus zum Nationalsieg. Pläne für einen zweiten Bausatz entstanden. Im Sommer 1962 flogen seine Freunde und Mitstreiter viele Taurus-Prototypen.

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Das brachte der neuen Konstruktion eine eindrucksvolle Liste an Wettbewerbserfolgen, schon bevor sie als Bausatz he-rausgegeben wurde. Dies war eine sehr gute Vermarktungstechnik, jedoch war die Taurus-Legende aus einem anderen Grund fest etabliert. Der frische neue Entwurf musste ein überlegenes Flugzeug sein, das der Konkurrenz davonfliegen konnte, was es überzeugend tat. Der Taurus war nicht ein Einzelmodell, sondern eher eine Entwicklung über mehrere Jahre. Sie begann mit jenem ersten Orion Hybrid und änderte sich mit jeder nachfolgenden Version.

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Es ist jetzt klar, dass Kaz nie zwei identische Modelle baute, sondern mit dem sich entwickelnden Entwurf weiter experimentierte. Er experimentierte mit zwei Tragflügeln, änderte die Form und Position der Flügel, die Dicke der Leit-werke und die Länge des Leitwerksmoments. Alle Versionen hielten jedoch an derselben erfolgreichen Formel fest. Der Taurus der zweiten Generation, der in der Saison 1964 geflogen wurde, hatte eine gepfeilte Flügelvorderkante und eine gerade Hinterkante, was bei den meisten nachfolgenden RC-Kunstflugmaschinen der Fall war. Ein neues Charakteristikum war ein großer, horizontaler Stabilisator mit dickem Profil, vermutlich wieder, um den Luftwiderstand zu erhöhen. Der Rumpf war auch schlanker und hatte das längste Leitwerksmoment der Serie. Wir waren überrascht zu erfahren, dass mehrere Taurus-Varianten innerhalb weniger Jahre gebaut wurden, sogar der Jet-ähnliche Taurus mit Druck-propeller wurde für die Modell-Show 1964 in Toledo gebaut.

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Die 3-m-Simla
Die größte Überraschung für die Modellflugzeug-Welt kam 1965, als Kaz sich wieder einer anderen Richtung zuwandte, mit einem ehrgeizigen Projekt auf Taurus-Basis: ein Modell in großem Maßstab mit 3,04 m Spannweite, das dafür ausgelegt war, besser und gleichmäßiger zu fliegen als RC-Kunstflugmodelle dieser Zeit in herkömmlicher Größe.

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Im Mai jenes Jahres enthüllte Kaz, was sich als aufregendes, aber problematisches Flugzeug erwies und das den heute üblichen großen 2-Meter-Kunstflug-Maschinen um Jahrzehnte voraus war. Die «Simla», benannt nach einer Stadt in den Himalaja-Bergen, diente als experimenteller Entwurf. Sie hatte einstellbare Flügelpositionen (Schulter, Mitte und tief), ein-stellbare V-Form und Anstell-winkel, und das Allerneueste von allem: steckbare Flügel. Wie alle Konstruktionen von Kaz zog dieses Modell Menschenmassen an, wo immer sie hinkam. Die Flugleistung litt unter den zusätzlichen 12 Unzen Gewicht — bei einem Modell, das bereits viel grösser und schwerer war als anderen dieser Zeit —, die bei Reparaturen an diesem Flugzeug hin ;1 zukamen (mit einem .60-Zweitaktmotor).

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Trotzdem flog die Simla bei mehreren Wettbewerben gut und erfuhr zwei Änderungen, um die Flugleistung vor der Teilnahme an den 1965 Nationals zu verbessern. Leider war das Leben der Simla nur von kurzer Dauer. Sie verschwand mysteriös von ihrem Lagerplatz in Kaz` Haus und war dauerhaft verloren.

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Das war ein schwerer Verlust für ihn. Was für alle seine Konstruktionen galt: Es gab keine Pläne. Dieses Ereignis kann vielleicht Kaz‘ frühen Abschied aus dem RC-Kunstflug beschleunigt haben. Man konnte die Trauer in seiner Stimme hören, wenn er nach all diesen Jahren die Geschichte der Simla erzählte. Er war jedoch erfreut, als er von dem neuen Interesse der Modellbauer an seiner letzten Konstruktion erfuhr. Die Geschichte ist aber nicht zu Ende. Nach Kaz‘ Tod wurden in seinem Nachlass früher unbekannte Fotos der Simla gefunden, womit es erstmals möglich wurde, sein letzte Kreation zu rekonstruieren. Jetzt ist ein Projekt zur Wiedererschaffung der Simla auf dem Weg; ich bin sicher, Kaz hätte sich gefreut, sie wie-der fliegen zu sehen.
Das Taurus-Rätsel
Wenige Leute wussten, was aus Kaz‘ Modellen geworden war, oder ob sie überhaupt Jahr-zehnte später noch existierten. Aber die Spekulation endete, als Bilder seiner zwei verbliebenen persönlichen Taurus-Modelle erschienen. Chuck Noble, Besitzer des Auktionshauses, das Kaz‘ Nachlass abwickelte, hatte sie im Angebot. Die Flugzeuge hatten nicht nur überlebt, sondern waren sorgfältig aufbewahrt in der Reisekiste, die 47 Jahre früher für seine erste Überseereise angefertigt worden war. Die Modelle waren angesichts ihres Alters und ihrer extensiven Fluggeschichte in erstaunlich gutem Zustand und mussten nur minimal restauriert und gereinigt werden. Die Außenanstriche sahen besser aus als die der meisten Modelle, die man heute üblicherweise auf dem Flugfeld sieht. Im Lauf der Zeit lieferte Chuck neue Informationen, Fotos und Details der Flugzeuge. Was zunächst Taurus, Neugier war, wurde schnell zum Gegenstand internationaler Recherchen. Taurus-Fans, wie «Flugzeug-Archäologen», durchsuchten ihre R/C Zeitschriftenarchive und steuerten seltene Fotos, Spezifikationen und Daten bei. Der erste versteigerte Taurus war das berühmteste von Kaz‘ zwei Modellen und die Anregung für den Top-Flite-Bausatz, der 1963 herausgegeben wurde. Die Vintage Radio Control Society (VR/CS) kaufte das Flugzeug zur Schenkung an das AMA- Museum in Muncie, Ein Kollege der VR/CS und ich kauften den zweiten von Eds mit dem ich ihn als junger Teenager hatte fliegen sehen. Der Taurus 2, wie man ihn jetzt nennt, wurde inzwischen in den ursprünglichen Zustand geändert und ein paar Mal bei besonderen Ereignissen geflogen. Trotz der Risiken, ihn zu fliegen, sind wir der Meinung, dass wenigstens eines von Kaz‘ Flugzeugen es verdient, seine Flügel zu testen und noch einmal als lebendes Andenken in die Luft zu gehen. Das Modell fliegt immer noch wunderschön.

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Legendäre Modelle
Legendäre Modelle haben den Test der Zeit bestanden. Der Taurus ist vielleicht das erste moderne RC-Kunstflugmodell. Ursprünglich wurde er für einen .45-Zweitaktmotor und eine alte Relais-Fernsteuerung mit Kipphebeln der frühen Sechziger entworfen. Viele Modellbauer unserer Zeit, die es geflogen haben, sagen, dass der Taurus noch besser mit den heutigen proportionalen RC-Anlagen und einem .45- bis .61 großen Zweitakter oder äquivalenten Viertaktmotor fliegt.

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Der Taurus ist auch ein großartiges Elektroflug-Modell mit einer Spannweite von 1,78m; ausgelegt für Präzisionskunstflug, ist er immer noch ein großartiges Schulungsflugzeug. Während der Zeit, als der Taurus das führen-de RC-Kunstflugmodell der Welt war, stellte Kaz fest, dass es so stabil war, dass er mit seiner RC-Anlage ein spezielles Kickup-Höhenruder entwickeln musste, um es in eine Vrille zu bringen. Mit seiner niedrigen und gleichmäßigen Fluggeschwindigkeit durch die Figuren bleibt der Taurus so leicht zu fliegen, dass der durchschnittliche Kunstflug-Pilot sich auf seine Manöver konzentrieren kann – und nicht dauernd mit dem Modell kämpfen muss.

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Beim Erforschen des Werdegangs des Taurus entwickelten wir ein Gefühl dafür, was Kaz erreichen wollte und wie dieses spezielle Flugzeug die Konstruktion von Flugzeugen über Jahre beeinflusste. Wir meinen, dass wir eine gute Zeitübersicht für viele Höhepunkte in Kaz‘ Karriere haben. Dennoch bleiben einige Fragen offen. Was war mit einer fast fertigen Variante, die mit den beiden anderen Modellen entdeckt und mehr als 40 Jahre lang aufbewahrt wurde? Wann wurde dieses Modell gebaut? Was geschah mit der Druckpropeller-Taurus und anderen Prototypen? War Kaz wirklich mit dem letzten Taurus 2 zufrieden? Wenn nicht, was hätte er wohl geändert? Ich hoffe, dass wir auch weiter aus neuen Quellen mehr erfahren können über das wohl berühmteste RC-Modell.

Autor Duane Wilson
Übersetzung Eva Wagner
mit freundlicher Genehmigung aus Modell Flugsport

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