Rückblick

Berichte und Bildmaterial von vergangenen R/C Kunstflug-Veranstaltungen. weiterlesen »

Clubs & Verbände

Infos über Verbände und Clubs, die Retro Kunstflugtreffen und Wettbewerbe organisieren. weiterlesen »

Motorentests

Unter dieser Rubrik finden Sie interssante und teils historische Artikel über Modellflugmotoren. weiterlesen »

Retro-Klassiker

Alles über die berühmten Flugmodelle von damals, Testberichte, Bildmaterial und viele Infos. weiterlesen »

Sky News

Hier wird über neue ARF- Projekte von Sky Aviations, Germany berichtet. weiterlesen »

Home » Motorentests

ROSSI 60

Eingereicht
rossi60_80

 

Test Rossi .60

Am Ende der Flugsaison 1966 stieg der ROSSI .60 RC von einem wenig beachteten Handserienmotor zu einem begehrten Expertenmotor empor. Gerühmt wurde vor allem die hohe Leistung, die ein ganz neues Fluggefühl vermittelte.

In der Zwischenzeit sind allerdings die Wogen der Begeisterung für den ROSSI .60 merklich abgeebbt. Wie so zu hören ist, werden nicht alle „Experten“ •auf den ROSSI .60 umsteigen und sich damit auf Wettbewerben messen? Warum?

Nun, ich habe leider keinen eigenen ROSSI testen können, sondern ich musste mir einen Motor für die Fotos ausleihen und konnte nur an in Flugmodelle eingebauten Motoren die Drehzahl mit einigen Luftschrauben messen. Dabei ergab sich eine Höchst-leistung von ca. 1,5 PS bei 17 000 U/min. Allerdings kostete jeder Lauf mit Drehzahlen über 14 000 U/min. eine Glühkerzengarnitur. Doch war auch die Leistung mit der Top-Flite 11″ X 73/4″ mit ca. 1,08 PS gewaltig, und es erscheint mir nicht unbedingt notwendig, den Motor mit höheren Drehzahlen laufen zu lassen. Der Motor drehte beim fliegenden Modell merklich höher als am Boden, so dass im Fluge mit der 11 X 73/4 ca. 1,20 PS als Antriebsleistung zur Verfügung stehen. über die Begeisterung darf aber nicht hinwegtäuschen, dass der Motor launischer als eine Primadonna oder das Sommerwetter 1966 ist. Mitten im Flug kann der Motor ohne ersichtlichen Grund in der Leistung abfallen, zwar sauber weiter laufen aber ohne den letzten Dampf. Eine plausible Erklärung für dieses Verhalten glaube ich zu haben, doch schauen wir uns zuerst mal den Motor in seinen Einzelteilen an.

Der ROSSI entstand aus dem Bedarf an besonders schnellen Motoren für Geschwindigkeitsmodelle.

rossi2kerzen_4

Zunächst wurden unter dem Namen ROSSI nachgearbeitete Super Tiger-Motoren angeboten. Als der „Friseur“ ROSSI den Bedarf an umgearbeiteten Tigern nicht mehr decken konnte, entstand ein in kleiner Serie gebauter eigenentwickelter Motor. Dabei standen der Mc Cloy und Super Tiger G .40 Pate. Es wurde von beiden Motoren das mechanisch Beste übernommen. Das Kurbelgehäuse ist ähnlich dem vom McCoy, das Mittelteil mit eingezogenem hartverchromten Zylinder stammt vom Super Tiger. Das Lagergehäuse der Kurbelwelle wird vorne angeschraubt. Hinten ins Gehäuse ragt der Deckel mit dem Drehschieber. Die gehärtete Stahlkurbelwelle läuft in den beiden Kugellagern extrem leicht. Die Kurbelwange ist nach der Art der K & B-Motoren ausgefräst und mit einem Aluminiumring verschlossen. Eine kleine Bohrung in der Wellenmitte versorgt das vordere Lager mit dem zur Kühlung notwendigen Schmierstoff.

rossi2kerzen_3

 

Der Drehschieber aus Kunststoff ist ebenfalls kugelgelagert. Sieben winzige lose Kugeln bilden ein Spurlager. Dieses Lager kann durch eine Konus-schraube in seinem Spiel eingestellt werden.

Der Pleuel ist aus gepresstem und überarbeitetem Dural. Das untere Pleuellager ist mit Lagerbronze ausgebüchst. Der Kolbenbolzen ist durch Seegeringe gesichert und mit kleinstem Spiele eingepasst. Der Kolben ist gegossen und hat nur einen Verdichtungsring aus Kolbenring-Standardguß. Zur Gaslenkung dient auf dem Kolbenboden eine Nase. Auf der Überströmseite des Kolbens befinden sich zwei Fenster in der Zylinderbüchse und im Kolben, die auch dem Gas unter dem Kolben den Weg in den Überströmkanal freigeben.

Der Zylinderkopf hatte bei beiden mir zugänglichen Mustermotoren zwei Glühkerzen, die zueinander geneigt waren. Die Drosselmechanik ist Standard-Konstruktion. Gut ist das Ausbüchsen des Lagers für den Auspuff-schieber. Soweit über die Technik.

Wenn alle Teile nun sauber zusammengefügt sind, läuft der Motor mit der in dem Leistungsdiagramm angegebenen Leistung. Bei einem nach einiger Zeit in der Leistung nachlassenden ROSSI lag die Ursache im vergrößerten Spiel des Drehschiebers gegenüber dem Gehäusedeckel, im anderen Fall war der Pleuel vom Zapfen gegen den Drehschieber gerutscht und hatte zu einseitigem Verschleiß am Drehschieber geführt. Abhilfe kann hier nur der Motorenhersteller in einer neuen Serie schaffen mit einem in den Kur-belzapfen eingeschraubten Hilfszapfen mit Anlaufbund. Ebenfalls stellte ich in beiden Motoren ein leicht ausgeschlagenes Auge für den Kurbelzapfen im Drehschieber fest. Der Drehschieber dürfte nach den bisherigen Erfahrungen kaum über 100 Starts einwandfrei durchhalten, ohne dass zumindest etwas nachgearbeitet werden muss. Der Kolben ist in seinem Schleifbild brauch-bar, wenn er mir auch in der Ring-partie zu scharf trägt.

 

 

rossi.60sizes_2

In der Praxis müssen einige Dinge beim ROSSI beachtet werden. Es ist zweckmäßig, das Kurbelgehäuse völlig frei dem Luftstrom auszusetzen, da sonst die Ansaugluft angewärmt den hinten liegenden Vergaser erreicht und der Motor in der Leistung abfällt. Ferner scheinen die Vergasernadeln gerne abzubrechen oder sich zu verstellen. Hier ist eine Kürzung der Nadel zweckmäßig.

Als Schalldämpfer ist zur Zeit nur ein MINIVOX erhältlich. Der Schalldämpfer vermindert die Leistung des Motors wenig, ca. 200 U/min bei 12 000 U/min. Leider sitzt der Schalldämpfer nicht fest, und es ist mit dem baldigen Abbrechen des Dämpfers zu rechnen. Günstig ist ferner, den Auspuffdreh-schieber nicht zu entfernen, da sonst beim Übergang von Vollgas auf Leerlauf der Motor gerne stehen bleibt. Versuche mit einem Resonanzschalldämpfer verliefen nicht zur Zufriedenheit. Der Motor verliert gleich viel an Leistung, wie mit dem MINIVOX-Dämpfer, nur der Geräuschpegel ist niedriger. Dem Treibstoff ist ferner für einen guten Motorlauf unbedingt noch 10 bis 15 Prozent Öl mehr, als im handelsüblichen Treibstoff schon vorhanden, zuzusetzen.

rossi.60sizes_1

Der Vergaser ist einfach und kann da-her nicht immer gefallen. Ein neu entwickelter Vergaser mit gesteuerter Düsenöffnung in Schlitzform brachte einige Verbesserung, allerdings nur, wenn ebenfalls eine neuartige hohle Düsennadel mit Luftzumischung verwendet wurde. Der Treibstoffverbrauch ist normal hoch. Der ROSSI ist nicht gerade ein Säufer, aber auch kein Sparsamkeitsfanatiker. Einen 300- bis 400-ccm-Tank wird man wohl schon einbauen müssen.

Zusammenfassend möchte ich sagen, der ROSSI ist der zur Zeit für Europa leistungsfähigste 10-ccm-RC-Modellmotor mit Querstromspülung. Allerdings wird er wohl der letzte Hochleistungsmotor mit Querstromspülung sein. Bei den letzten Fesselflugwelt-meisterschaften wurde schon der kommende Modellmotor von Bill Wisniewski vorgestellt, ein Motor mit Umkehrspülung und einer Höchstleistung von ca. 2,5 PS bei 29 000 U/min.

Technische Daten
Bohrung: 24 mm
Hub: 22 mm
Hubraum: 9,98 ccm
Höchstleistung: über 1,5 PS bei über 17 000 U/min
Gewicht: 470 g

Propellerdrehzahlen
Tornado Nylon 12 X 5 11 800 U/min
Tornado Nylon 12 X 4 12 900 U/min
Tornado Nylon 10 X 4 15 700 U/min
Tornado Nylon 9 X 4 16 800 U/min

Treibstoff: /+15 Nitromethan

 

UnterschriftProf.Demuth

Text mit freundlicher Genehmigung von:

modell

Tags:

Kommentar schreiben

Seien Sie nett. Halten Sie es sauber. Bleiben Sie beim Thema. Kein Spam.

Tags:

<a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>