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R/C Kunstflug WM 1969 Bremen-Lemwerder

Eingereicht
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Die einzige die jemals in Deutschland ausgerichtete F3A Weltmeisterschaft fand 1969 in Bremen-Lemwerder statt. Der damalige F3A Pilot berichtet von dieser WM in der Septemberausgabe1969 Modell. Durch verschiedene Zeitzeugen gelang es uns 76 Fotos dieses einmaligen Events zu veröffentlichen. 22.01.2016 Update 29 Fotos.

Walter Schmitz Vor mir liegen Fotos, Ergebnislisten, Notizen, und ich weiß eigentlich gar nicht, womit ich anfangen soll. Neben der Weltmeisterschaft in RC I fand auch noch ein internationaler Wettbewerb für vorbildgetreue Flugzeugmodelle statt, und es würde den Rahmen dieses Heftes sprengen, wenn ich über alle Ereignisse dieser sieben Tage bis ins kleinste Detail berichten würde.

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1965 in Genk (Belgien) nahmen 35 Modellflieger aus 13 Nationen an den Weltmeisterschaften teil. In Korsika (1967) waren es 41 Teilnehmer aus 17 Nationen und in diesem Jahr waren es 67!! Teilnehmer ohne die „Naturgetreuen“ aus 25 Nationen. Ein Mammutwettbewerb, der in zeitlicher Hinsicht zu schlimmsten Befürchtungen Anlass gab.

Und nun mitten in’s Geschehen. Bis auf ganz wenige übereifrige Helfer hatte man großes Verständnis für die Zuschauer. Sie konnten so nahe wie nie zuvor bei einer Weltmeisterschaft an die Piste heran. Sogar in die Flugzeughalle, wo alle Modelle untergebracht waren, konnte man mit einigem Geschick gelangen. Ursprünglich war vorgesehen, diese Räume hermetisch abzuschirmen; Gott sei Dank kam es nicht so weit.

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Die Teilnehmer waren in Bremen in verschiedenen Hotels untergebracht. Jeden Morgen gegen 7 Uhr kamen Busse der Vereinigten Flugtechnischen Werke und holten die Teilnehmer etc. ab, um sie nach Lemwerder, das 28 km vom Stadtzentrum entfernt liegt, zu bringen. Um 8 Uhr begann dann jeden Tag das eigentliche Programm. Die Platzverhältnisse waren ausgezeichnet und die Vereinigten Flugtechnischen Werke gaben jede Unterstützung, die nur möglich war.

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Phil Kraft with his wife and Kwik Fly MKIII

 

In dieser Hinsicht kann man, auch dank Petrus, von einer wirklich gelungenen Weltmeisterschaft sprechen. Überhaupt war an Ort und Stelle alles viel besser, als man vorher munkeln hörte. Das einzige, was ich während der Wettbewerbstage noch zu bemängeln hatte, war, dass man für das Training zwei volle Tage und für die vier Durchgänge nur drei Tage ansetzte. Meine Befürchtungen in dieser Hinsicht, die ich bereits in einem der vorangegangenen Hefte darlegte, haben sich dann auch bestätigt. Hierauf komme ich später noch einmal zurück

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Yuji Oki mit seinem Modell „Pearl“

Die Trainingstage zogen sich etwas dahin. Es fehlte irgendwie die Spannung früherer Weltmeisterschaften. Manchmal wurde über eine halbe Stunde kein einziger Start durchgeführt. Das Trainingsfliegen fand nur an einer Start-stelle statt, während bei dem eigentlichen Wettbewerb auf zwei Pisten zur gleichen Zeit geflogen wurde. In zeitlicher Hinsicht hätte es wirklich kein Problem gegeben, das Training auf einen Tag zu beschränken und dafür an jedem Tag nur einen Durchgang zu fliegen.

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Erstmalig auf einer Weltmeisterschaft erschienen die Länder Bulgarien, DDR, Finnland, Mexiko, Nord-Irland, Irland und Polen. Gegenüber den letzten Weltmeisterschaften in Korsika erschienen jetzt wieder Kanada und Japan. Die Sowjetunion ließ sich nach ihrem kläglichen Debüt 1963 in England nicht blicken. Die Bulgaren hatten überhaupt nicht bei der FAI gemeldet. Sie erschienen einfach in Bremen. Sie wurden tatsächlich mit zugelassen und in den Wettbewerbsablauf eingebaut. An dieser Stelle kann man schon eines festhalten: Der Leistungsstandard gegenüber den vorangegangenen Weltmeisterschaften hat sich trotz des viel größeren Aufgebots in keiner Weise verbessert. In verschiedenen Gesprächen mit Modellfliegern und Zuschauern kam eindeutig zum Ausdruck, dass über 50% der Teilnehmer noch nicht den Leistungsstandard erreicht hatten, um überhaupt an einer Weltmeisterschaft teilzunehmen. Aber was heißt das schon, auch nur dabei gewesen zu sein ist schon etwas. Und immerhin dient eine solche Veranstaltung im weitesten Sinne der Völkerverständigung.

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Ich hatte einige Tage nach der Weltmeisterschaft noch Chris Sweatmann aus Südafrika zu Besuch. Abgesehen von viel Modellfluggequassel machten wir eine Schiffstour auf dem Rhein. Inzwischen ist Chris in England, hat dort an einem Wettbewerb teilgenommen und schreibt mir dankend noch voller Begeisterung über die Rheintour. Ich bin sicher, dass dies eine bleibende Erinnerung für Chris sein wird und er jetzt in seiner Heimat Südafrika ganz anders über Deutschland berichten kann, als wenn er nur diesen engbegrenzten Raum auf dem Flugplatz kennengelernt hätte. Die Flugplätze sind doch fast alle gleich, und dafür braucht man nicht von Südafrika, Japan oder wo auch immer her nach Deutschland zu kommen; dann können wir uns auch in der Wüste treffen. Sicherlich hätte das Bundesministerium für Familie eine Finanzierung nicht versagt, wenn der Deutsche Aero-Club sich rechtzeitig dafür bereitgefunden hätte, nach den Weltmeisterschaften in Deutschland noch ein entsprechendes Beisammensein zu arrangieren.

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Wolfgang Matt und sein Super Star

Beim Training der einzelnen Mannschaften zeigte sich nichts Außergewöhnlichen. Ich habe mir fast alle angesehen und war natürlich auf die „neuen“ Nationen wie Mexiko, DDR, Irland etc. ganz besonders gespannt. Mexiko hat mich hier am meisten en‘ täuscht. Da Kalifornien, die Hochburg des RC-Modellfluges in den USA, unmittelbar neben Mexiko liegt und man aus amerikanischen Zeitschriften immer wieder entnehmen kann, dass bekannte Modellflieger aus den Staaten nach Mexiko gehen und dort an Wettbewerben teilnehmen, hätte ich von den Mexikanern wenigstens den Leistungsstandard der USA-Boys erwartet. Wie sie mir erklärten, haben sie mit ganz anderen Bedingungen zu kämpfen. Mexiko liegt ca. 2000 Meter hoch, und die Luft ist in dieser Höhe wesentlich dünner.

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Sie müssen wenigstens 25 0/0 Rizinus im Brennstoff haben; nicht wegen der Schmierung, sondern wegen der Kühlung und außerdem ihre Modelle sehr leicht bauen. Die dünne Luft trägt einfach nicht so gut. Bei den technischen Daten können sie nachlesen, dass die Modellgewichte bei den Mexikanern erheblich unter 3 kp liegen. Außerdem konnte man den Modellen ansehen, dass die Mexikaner lieber fliegen als bauen. Die Modelle hatten nicht das bekannte Finish der Amerikaner. Auch die Japaner hatten wieder sehr leichte Modelle dabei, die wie schon in Schweden 1965 mit einem exzellenten Finish versehen waren. Leider waren Nippons Söhne vom Pech verfolgt. Eine Woche vor den Weltmeisterschaften waren sie zu Gast bei der Fa. Simprop in Harsewinkel gewesen und hatten dort trainiert, wobei sie 2 Modelle durch Absturz verloren. Nun ging das hier weiter. Plötzlich stellte sich die Maschine von Yuji Olki auf den Kopf und stürzte senkrecht ab. Ergebnis = Totalschaden. Nun hatten sie nur noch 2 Maschinen Im Wettbewerb. Mit 5 Modellen waren sie nach Deutschland gekommen; jeder hatte ein Modell als Handgepäck mitgebracht. Das war natürlich sehr bedauerlich . Yuji Oki war, wie mir Fritz Bosch sagte, ihr bester Mann.

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Erfreulich und ganz besonders begrüßt von vielen war, dass unsere Ost-Deutschen erstmalig an einer Weltmeisterschaft oder überhaupt an einem Wettbewerb Im Westen teilnahmen. Nachdem in Schweden 1965 einige Beobachter gewesen waren, hatten wir eigentlich gehofft, sie in Korsika 1967 als Teilnehmer nur begrüßen zu können. Nun erschienen sie in Bremen als komplette Mannschaft. Eines der wenigen Zweibein-Modelle flog Lutz Schramm, wohl der beste Mann der Ost-Deutschen. Erich Wenisch und Ronald Fischer, die beiden anderen Teilnehmer der DDR Mannschaft, benutzten die Simprop Digi-4. Lutz Schramm benutzte die Varioprop von Grundig. Er flog meist die ersten Figuren des Programms sauber und gekonnt, bis dass er einen kleinen Fehler gemacht hatte. Dann riss der Faden ab, die Fehler häufen sich, und man merkte deutlich, dass hier internationale Erfahrung fehlte.

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Das Training unserer Mannschaft fand in den Abendstunden statt. Es herrschte ganz leichter Seitenwind, genau 90 ° zur Piste. Jeder startete einzeln; für jeden standen 15 Minuten zur Verfügung. Auf einer vorangegangenen Mannschaftsführerbesprechung war mitgeteilt worden, dass alle Figuren, egal welche Windrichtung, auf keinen Fall über den Zuschauern geflogen werden dürfen. Auch wenn Ein- oder Ausflug der einzelnen Figuren über die Absperrung hinausgehen, ist die Figur mit 0 Punkten zu bewerten. Noch strenger, bei dreimaligem Überfliegen der Zuschauer wird der Teilnehmer disqualifiziert. Und die Forderung der Jury bzw. der Punktrichter: Die Figuren sind, egal welche Windrichtung, in ein rechteckiges Fenster mit einer max. Höhe von 45° zu platzieren. Unsere Mannschaft versuchte dieser Forderung beim Training gerecht zu werden, und alle stellten mit Erstaunen fest, dass das gar nicht so einfach ist. Es stellte sich dabei für mich etwas unverständlich heraus, dass weder Wilbert Schönfeld, Alfons Wester noch Heinz Elsässer mit Querwind trainiert hatten. Seit den letzten zwei Jahren und insbesondere seit dem internationalen Punktrichterlehrgang Ostern 1968 in Hirzenhain wird Platzierung ganz großgeschrieben. Wilbert Schönfeld hat das den Weltmeistertitel gekostet, aber dazu später noch mehr.

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Der besondere Stil unserer Mannschaft, große Figuren zu fliegen, war für Seitenwind nicht geeignet. Außerdem wirkten sich die hohen Rümpfe von „Prestige“ und „Zerberus“, den Modellen von Wilbert Schönfeld und Alfons Wester, nachteilig aus. Mäxi II, das Modell von Heinz Elsässer, war da nicht so stark benachteiligt. Überhaupt machte Heinz beim Training einen sehr guten Eindruck. Gegenüber den Kritiken vorher über sein Fliegen in diesem Jahr war das eine erhebliche Leistungssteigerung. Nach dem Training war er für mich mit Wilbert gleichzusetzen, und erst danach kam unser Spätstarter Alfons, der noch sichtlich nervös war. Nach dem offiziellen Training kurz vor Dunkelwerden bin ich dann zusammen mit Alfons und Wilbert zu einem Militärübungsplatz gefahren, um noch einige Trainingsflüge mit Querwind zu absolvieren. Es stellte sich klar heraus, dass eine Umstellung jetzt nicht mehr möglich war (im Stil) und man nur darauf hoffen konnte, dass der Wind genau längs zur Piste kommt. Viel Glück hatte Alfons noch an diesem Abend.

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Chris Sweatman`s „Lady Luck“

In diesem unübersichtlichen Gelände mit nur einer kleinen Landefläche blieb ihm in der liegenden Acht der Motor stehen. Das hatte es noch nie gegeben. Obwohl es fast dunkel war, wurde wieder gestartet. Liegende Acht — Motor aus. Und noch einmal das gleiche. Dank dessen, dass er so gut vorbereitet war, konnte er sofort auf sein Ersatzmodell umsteigen. Schnell das Ersatzmodell zusammengebaut, und man konnte schon fast nichts mehr erkennen, musste er noch einmal starten. Mit dieser Maschine musste er am nächsten Tag in den Wettbewerb, und frühmorgens konnte man nicht trainieren, denn seit Tagen war morgens bis ca. 8 Uhr dichter Nebel. So ist das, liebe Modellflieger, wenn man an einer Weltmeisterschaft teilnimmt. Spannung und nervenzerrende Momente bis zum letzten Augenblick. Im Ganzen gesehen, kann man ohne Übertreibung sagen, dass unsere Mannschaft im Training fliegen konnte. Maxey Hester`s  „Zlin 526″ war mit einem Zweibein-Einziehfahrwerk ausgestattet (2 x MK-Bugfahrwerk!!). Trotz Betonpiste legte er auf „zwei Beinen“ ganz erstklassige Starts und Landungen hin. Und dann, wie sieht die Maschine in der Luft mit eingezogenem Fahrwerk aus! Ganz große Klasse!

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Übrigens gewann Maxey Hester mit dieser Zlin 526 „Akrobat“ 8 Tage vor Bremen die amerikanischen Meisterschaften; hier belegte er nur den 4. Platz — beim Fliegen allerdings den ersten.

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Überhaupt haben die „Naturgetreuen“ in Zukunft eine große Chance. Sie waren eindeutig Publikumsliebling. Bei ihnen wollten die Zuschauer die Modelle sehen und konnten sich dann auch wirklich daran begeistern. Bei den RC-I-Piloten geht es dann wirklich um die Piloten. Man will z. B. einen Phil Kraft sehen, seine Kwik Fly ist dabei von untergeordneter Bedeutung. Also heißt die Devise für die Zukunft: Guter Pilot und möglichst naturgetreues Modell und der erste Platz ist dir gewiss.

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Am Freitag begann dann der eigentliche Wettbewerb in RC I. Als erster deutscher Teilnehmer kam Wilbert Schönfeld an die Reihe. Er startete ganz früh als zweiter auf der Piste 2. Das Wetter war leicht diesig mit einem leichten Wind, der aber Gott sei Dank genau zur Piste wehte. Zur gleichen Zeit startet auf Piste 1 Pierre Marrot, ein weiterer Favorit. Bei Wilbert springt der Motor sofort an. Da er kein lenkbares Bugrad hat, muss er die Maschine zur Pistenmitte tragen. Bruno Giezendanner kommt als Beobachter. Dann der Start. Er zieht die Maschine ganz leicht von der Piste weg, so dass man nicht feststellen kann, wo die Räder den Boden verlassen haben. Es war ein schöner Start. Einziger kleiner Fehler war, dass er die rechte Fläche etwas hängen ließ. Dann fährt er das Fahrwerk ein. Nur er und Bruno Giezendanner haben ihre Modelle mit Einziehfahrwerk ausgerüstet. Dann kommt der Doppelturn, mit dem er in letzter Zeit etwas Ärger hatte. Gelingt aber vorzüglich, und das gibt Sicherheit für Wilbert. Kein Fehler im kombinierten Immelmann. Die Loopings aufwärts werden etwas nach hinten versetzt. Er fliegt sie mit gedrosseltem Motor in der Abwärtsphase, zwar sehr groß, aber doch weich und ausgeglichen. Auch die Abwärtsloopings gelingen. Hierbei macht es einen guten Eindruck, wenn die Maschine mit gedrosseltem Motor nach unten wegstößt. Die drei schnellen Rollen sind wie an der Schnur gezogen. Auch die langsame Rolle gelingt sehr gut; sehr sauber mit Seitenruder ausgesteuert. Bei dem Rollenkreis macht er, wie die meisten, den gleichen Fehler, nämlich durchfallen oder absacken nach der ersten Drehung. Der Pilot selber sieht es nicht oder erst zu spät., da diese Figur über ihm begonnen wird. Dann kam er nicht mehr genau zum Ausgangspunkt der Figur zurück.

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Bo Bergstedt`s „Bolly“

Bis dahin die schlechteste Figur. Das Männchen gelingt dann mittelprächtig. Die liegende Acht Ist nicht besonders gut platziert. Der zweite Kreis ist kleiner uni das Modell kommt nicht zum Schnittpunkt zurück. Die kubanische Acht Ist wieder ganz Krolle Klasse. Gute Einteilung und sehr schönes, weiches Drehen im Schnittpunkt.

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Pierre Marrot`s „Styx“

Für mich fehlerfrei. Die stehende Acht ist ebenfalls sauber platziert, allerdings ist der untere Kreis etwas zu klein ausgefallen. Sehr schöner, fehlerfreier gerader Rückenflug. Bei der Rückenflugacht passiert es dann. Bereits beim ersten Kreis fällt die Maschine schon stark durch, und der zweite Kreis wird dann viel zu groß. Das war leider die schlechteste Figur dieses Durchgangs (und leider eine mit dem höchsten Multiplikator versehene). Den Hut fliegt er dann wieder ganz ohne Fehler. Sauber platziert, schöne Drehung, sauberer Übergang in Rückenflug, Schenkel gleich lang, keine Fehler. Beim Trudeln kommt er schlecht in die Figur und zum Schluss überdreht die Maschine leicht. Also nicht fehlerfrei. Den Landeanflug setzt er eigentlich etwas zu hoch an. Beim Querabflug ist dann zuerst zu starkes Fallen und dann zu plötzliches Abfangen. Die Maschine soll stetig aber gleichmäßig fallen. Die Landung sitzt dann genau auf dem Punkt. Sauber. Ergebnis 1316 Punkte.

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Alfon Wester`s „AW40“

Als nächster unserer Mannschaft startet Heinz Elsässer. Inzwischen ist die Sonne herausgekommen und der Wind bläst schräg zur Piste. Alles, was Heinz im Training gezeigt hat, scheint er jetzt vergessen zu haben. Er platziert sehr, sehr schlecht. Die Aufwärtslooping fliegt er ganz nahe und tief; die Abwärtslooping weit draußen und viel zu hoch. Das Ergebnis dieses Fluges 1146 Punkte.

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Heinz Elsässer mit seinem Mäxi

Als letzter Starter der deutschen Mannschaft kommt Alfons Wester an die Reihe. Auch er legt das Modell, wie Wilbert Schönfeld, zum Anwerfen des Motors auf den Rücken (hängender Motor). Dann trägt er mit seinem Helfer Erich Müller das Modell zur Pistenmitte. Der Start ist unruhig; zuerst links-, dann rechtshängende Fläche. Der Doppelturn viel zu nahe an den Punktrichtern geflogen. Dann wird der Flug etwas ruhiger. Die drei schnellen Rollen werden ganz sauber geflogen. Bei der langsamen Rolle leichtes Durchfallen. Beim Rollenkreis der gleiche Fehler wie bei allen, leichtes Durchfallen nach der ersten Drehung. Dann kommt ein gelungenes Männchen, und man merkt direkt in den nächsten Figuren, dass Alfons viel ruhiger geworden ist. Die Figuren werden sauberer und ausgeglichener. Ein- und Ausflug werden betont gerade geflogen. Als Ergebnis dieses Fluges rechnet der Computer 1233 Punkte aus.

Im Großen und Ganzen also schon ein schönes Ergebnis für die deutsche. Mannschaft.

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Ron Chapman`s Flugzeug, basierend auf YAK18 und Orion

Übrigens noch etwas zur Punktwertung. Jede einzelne Figur wurde von 5 Punktrichtern bewertet. Die Ausrechnung erfolgte durch Computer, der sofort für jede einzelne Figur die höchste und niedrigste Wertung strich. Bisher hat es das noch nie gegeben. Wenn überhaupt etwas gestrichen wurde, so war das bisher der höchste oder niedrigste Durchgang oder die höchste und niedrigste Gesamtwertung eines Durchganges. Ich halte das neue System für sehr vorteilhaft. Leider sind nicht überall Computer vorhanden, die so schnell und korrekt arbeiten, wie in Bremen. Sofort nach jeder Figur erschien für die Zuschauer sichtbar auf einer Anzeigetafel die Wertung für jede einzelne Figur und zum Schluss die Gesamtwertung des Fluges.

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Der zweite Durchgang begann am späten Nachmittag, und auch jetzt musste Wilbert Schönfeld als einer der Ersten starten. Den Flug von Pierre Marrot, der zur gleichen Zeit auf der anderen Piste startete, konnte ich leider nicht beobachten. Er erflog 1421 Punkte und setzte sich damit vor Schönfeld an die Spitze. Wilbert Schönfeld konnte sich im zweiten Durchgang nicht verbessern und erreichte eine Punktzahl von 1291. Am Samstagmorgen wurde dann der zweite Durchgang beendet.

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Maxey Hester und seine Zlin 526 Akrobat

Gegenüber dem ersten Durchgang hatten sich einige markante Verschiebungen ergeben Bruno Giezendanner war vom 2. auf den 6. Platz zurückgefallen. Wie war das gekommen? Ich habe seinen Flug beobachtet. Er war genau so sauber und korrekt wie der vorhergehende und auch noch die später folgenden Flüge. Er hat lediglich etwas schräg zur Piste geflogen, da auch er das Bestreben hatte, in die Windrichtung zu kommen. Aber ausschlaggebend war wohl das harte, bzw. allzu harte Punktrichter-Team der Piste 1. 1030 Punkte waren einfach zu wenig für diesen Flug. Das Team der Piste 1 wertete am zweiten Tag wesentlich niedriger als wie am Tage zuvor und alle diejenigen Teilnehmer, die erst am Samstag ihren zweiten Durchgang absolvierten, waren benachteiligt. Herr Willi Grass vom Deutschen Aero-Club hat versucht, mir diese Meinung auszureden. Aber gerade dieses Beispiel hier mit Bruno Giezendanner zeigt, wie recht ich mit meinen Ausführungen hatte. Sicher, einiges berichtigt sich, wenn man vier Durchgänge fliegen und dafür den schlechtesten streichen kann. Aber das ist kein Argument dafür, dass Durchgänge geteilt an zwei verschiedenen Tagen geflogen werden können.

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Team UK

Alfons Wester konnte sich durch einen ruhigen, sauberen Flug auf den 3. Platz verbessern. Phil Kraft tauchte schon auf dem 4. Platz auf. Hier sei allerdings bemerkt, dass das Publikum mit seinen Darbietungen im ersten Flug und den dafür erzielten Punkten absolut nicht einverstanden war. Allerdings muss ich sagen, dass sein zweiter Durchgang wesentlich besser war wie sein erster. Die 1275 Punkte hatte er redlich verdient. Er zeigte hier, dass er ein sehr erfahrener und mit allen Wassern gewaschener Pilot ist. Er musste bei diesem zweiten Durchgang an der Piste 1 fliegen und er wusste genau, was speziell diese Punktrichter sehen wollten. Trotzdem der Wind in 90 ° und nicht nur leicht zur Piste wehte, setzte er alle Figuren, trotz Querwind, genau vor die Punktrichter. Sogar das Männchen, was ich nie für möglich gehalten hätte, flog er quer zum Wind. Und es gelang ihm. Unter diesem Aspekt gesehen, ist die Wertung mit 1275 Punkten o.k. — Wolfgang Matt hatte wieder mal ganz großes Pech. Nachdem er einen ganz vorzüglichen Flug begonnen hatte, und die Zwischenergebnisse einen Flug weit über 1300 Punkten erahnen ließen, blieb der Motor mitten im Hut stehen. Ganz plötzlich, ohne Vorankündigung. Da gab es kein Abfangen mit der Drossel, rein gar nichts. Solange die neuen Super Tigre noch nicht richtig eingelaufen sind, kommt es immer mal wieder vor, dass sie ohne Vorankündigung ganz plötzlich bei Vollgas stehen bleiben.

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Der dritte Durchgang brachte nicht viel Neues. Die falsche Punktbewertung vom Tage zuvor wurde durch gute Leistung wieder richtig gestellt. Wilbert Schönfeld lag wieder an der Spitze, da Pierre Marrot nur 1182 Punkte erreichte. Bruno Giezendanner flog den höchsten Durchgang der ganzen WM mit 1444 Punkten — bei den „guten“ Punktrichtern der Piste 2 —. Da gibt es keinen Zweifel, auf der Piste 1 war es schon schwieriger an Punkte heranzukommen.

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Alfons Wester mit AW40

Und nun wurde überall gerechnet. Wer kann wen noch schlagen? Wer hat Chancen, Erster zu werden? Wilbert Schönfeld hatte seine Chance im dritten Durchgang verpasst. Auf der Piste Nr. 2 hatte er durch schlechte Platzierung — schräg zur Piste und ganz weit draußen — nur 1283 Punkte erzielen können. Nun musste er noch zur Piste 1 und es war unwahrscheinlich, dass er sich dort, noch verbessern konnte. Nur 1226 Punkte brauchte Pierre Marrot auf der Piste 2 zu erfliegen, um Wilbert Schönfeld vom 1. Platz zu verdrängen. Bruno Giezendanner musste nochmals zur Piste 1 und benötigte 1145 Punkte, um an Wilbert Schönfeld vorbeizuziehen. Phil Kraft benötigte noch 1287 Punkte, die auch ihm, nach seiner bisherigen Steigerung zugetraut wurden. Alfons Wester hatte eigentlich keine Chance mehr, noch nach vorne vorzustoßen, denn nach drei gleichbleibenden Flügen mit 1233, 1280 und 1229 Punkten war eigentlich keine reelle Chance mehr zu errechnen.

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Wilbert Schönfeld mit seinem Modell Prestige

Und dann kam der vierte Durchgang. Als erster der Favoriten startete wieder Pierre Marrot und Wilbert Schönfeld zur gleichen Zeit. Pierre Marrot erflog 1257 Punkte und schlug damit Wilbert Schönfeld um 31 Punkte. Er konnte nur 1197 Punkte an der Piste 1 erzielen. Ob sein Flug wirklich so schlecht war, kann ich nicht beurteilen, denn ich hatte mir diesmal den Flug von Pierre Marrot angesehen. Nachher wurde mir dann berichtet, dass er wirklich nicht gut geflogen ist. Er hatte seine Chance beim dritten Durchgang verpasst. — Heinz Elsässer machte dann anschließend einen schönen Flug und erreichte 1211 Punkte, was ihm im späteren Endergebnis den 7. Rang einbrachte. — Und dann kam Bruno Giezendanner. Er musste zur Piste 1, zu den hart wertenden Punktrichtern, die ihm in seinem vorhergehenden Flug nur 1030 Punkte gegeben hatten. Er fragte mich noch vorher: „Was soll ich machen, um richtig bewertet zu werden?“ Ich konnte ihm nur raten, egal, wie der Wind kommt, genau zur Piste zu fliegen und die Figuren im Fenster zu servie ren. Er machte es dann nachher auch, und das was ich nicht erwartet hätte, geschah, er bekam die Punkte, die er verdient hatte. 1411 Punkte an Piste 1.

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Damit lag er unschlagbar an der Spitze. Phil Kraft, der als nächster dran kam, müsste schon über 1450 Punkte fliegen, um Bruno von der Spitze zu verdrängen. Das ist einfach nicht möglich. Im vierten Durchgang erflog Phil Kraft dann 1362 Punkte und sicherte sich damit den Vize-Weltmeister-Titel. — Als letzter der Spitzengruppe startete Alfons Wester auf Piste 2. Er flog sehr sauber und sehr ruhig; wohl sein bester Flug. Der Computer meldet 1424 Punkte. Die höchste Wertung des letzten Tages. Damit rückte Alfons von dem 5. auf den 3. Platz vor. Die Freude war natürlich groß, denn jetzt stand fest, dass Deutschland die Mannschaftswertung gewinnen kann. Alle drei deutschen Teilnehmer liegen vorne in der Spitzengruppe bei immerhin 67 Teilnehmern aus 25 Nationen.

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Die Ostdeutsche Nationalmannschaft Erich Wenisch, Lutz Schramm und und Ronald Fischer

Unser aller Glückwunsch gilt Bruno Giezendanner, dem sympathischen Weltmeister aus der Schweiz und unseren drei Modellfliegern Heinz Elsässer, Wilbert Schönfeld und Josef Wester.

 

 

 

 

Place Name Country R/C Engine Total
1 Bruno Giezendanner Switzerland Digi-Fly Webra 61 4156
2 Philip 0. Kraft U.S.A. Kraft Enya 60 3965
3 Josef Wester W. Germany Varioprop ST.G.60 3937
4 Pierre Marrot France Radio Pilote Rossi 60 3921
5 Wilbert Schoenfeldt W. Germany Simprop ST.G.60 3890
6 Wolfgang Matt Liech. Simprop ST.G.60 3618
7 Heinz Elsaesser W. Germany Robbe Digi ST.G.60 3602
8 Richard Brand S. Africa Logictrol ST.G.60 3599
9 James Kirkland U.S.A. Pro-Line Lee 61 3551
10 James Whitley U.S.A. Pro-Line ST.G.60 3437
11 Harold Tom Canada Kraft Veco 61 3389
12 Poju Stephansen Norway Kraft H P60 3382
13 Mike Birch U.K. Skyleader Merco 61 3373
14 Fredi Schenk Switzerland Digi-Fly Veco 61 3179
15 Don Mackenzie S. Africa Logictrol ST.G.60 3138
16 Isao Matsui Japan O.S. Digital O.S.60 3119
17 Denis Hammant U.K. Skyleader Merco 61 3101
18 M. Bruls Netherlands Simprop ST.G.60 3063
19 Chris Sweatman S. Africa Logictrol ST.G.60 3060
20 Graziano Pagni Italy Logictrol ST.G.60 3019
21 Kurt Saupe Switzerland Digi-Fly Rossi 60 3010
22 Joshihiro Ikejiri Japan 0.S. Digital O.S.60 2985
23 Stuart Foster U.K. Sprengbrook Merco 61 2980
24 Ronald Chapman Canada C.R.C. Veco 61 2894
25 Jesper von Segebaden Sweden Micronic ST.G.60 2889
26 Guy Hardy France Simprop ST.G.60 2853
27 Heinrich Sekirnjak Austria Dirigent 6 Rossi 60 2787
28 Jean-Claude Cousson France Radio Pilote Rossi 60 2786
29 Georges Haegemann Belgium Radio Pilote Rossi 60 2778
30 Franz Schachinger Austria GraupnerTX14 HP61 2641
31 Gugielmo Reda Italy Robot ST.G.60 2622
32 Hannu Ruhelae Finland P.C.S. Webra 61 2576
33 J. Van Vliet Netherlands Simprop ST.G.60 2559
34 Heinz Sekirnjak Austria Dirigent 6 Rossi 60 2556
35 Koos Tromp Netherlands Microprop Webra 61 2518
36 Bo Bergstedt Sweden Digiplex Enya 60 2481
37 Warren Hitchcox Canada C.R.C. Veco 61 2384
38 Jean-Pierre Gobeaux Belgium Radio Pilote Rossi 60 2346
39 Knut Aker Norway Nortrol ST.G.60 2326
40 Roberto Guzmann Mexico Orbit ST.G.60 2305
41 Luciano Reineri Italy Logic Bell Rossi 60 2302
42 Tore Paulsen Norway Heathkit Webra 61 2277
43 Elias Villegas Mexico Orbit Webra 61 2230
44 Lutz Schramm E. Germany Varioprop ST.G.60 2146
45 Salo Feiner Mexico Orbit ST.B.60 1948
46 Robert Troy N. Ireland Kraft Merco 61 1927
47 Milan Vostry Czechoslovakia Simprop Enya 60 1918
48 Norbert Bertemes Luxembourg Simprop ST.G.60 1752
49 Bert-Erik Stoevling Sweden Telepilot Enya 60 1745
50 Jiri Michalovic Czechoslovakia Simprop Fox 59 1745
51 Erik Jensen Denmark Orbit Rossi 60 1594
52 Kaj Robert Hansen Denmark Controlaire ST.G.60 1584
53 Frederick Buick N. Ireland Kraft Merco 61 1522
54 Paul Behm Luxembourg Simprop Rossi 60 1507
55 John Dible Ireland Simprop Merco 61 1317
56 Sylwester Kujawa Poland Grundig TX14 ST.G.60 1220
57 Ronald Fischer E. Germany Simprop 0.5.60 1203
58 Pierre Hoffmann Luxembourg Simprop Merco 61 1153
59 Jiri Havel Czechoslovakia Varioprop M.V.V.S.60 1114
60 Jens Jorgensen Denmark Bonner Webra 61 981
61 Petti Reinas Finland Microprop O.S.60 851
62 Karl-Heinz Wenisch E. Germany Simprop 0.S.60 759
63 Alfred Laline Belgium Microprop Rossi 60 294
64 Emil Karlev Bulgaria 20

Fotos: Sky Aviations, Giuseppe Ghisleri, G. Hoppe

Text: Walter Schmitz, Modell 9/1969
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