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Gustav Sämann `s Feuervogel

Eingereicht
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Gustav Sämann war ein deutscher Flugmodellkonstrukteur. Bereits in den Fünfzigern konstruierte er diverse Freiflugmodelle, als allererstes seinen Taifun (1951) oder das A2 Segelflugmodell Bussard. Eines seiner Modelle war auch das Gummimotormodell Hornisse.

Er konstruierte Anfang der 60er Jahre den Feuervogel, den es bei Webra als Bausatz gab. Danach folgte 1962 die Caravelle, die 1963 bei Graupner als Baukasten erschien. 1964 folgte die Floride als Graupner Baukasten als verkleinerte Version der Caravelle (dies war übrigens mein allererster Baukasten, den ich zu Weihnachten geschenkt bekam). Er konstruierte auch das Segelflugmodell Condor mit aufsteckbarem Motorantrieb.

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Er war auch Sportsmann, er wurde 1951 deutscher Meister und 1955 Weltmeister in der Klasse F1B (Wakefield). Ende der 50er Jahre beschäftigte sich Gustav mit dem RC1 Kunstflug und nahm an deutschen Meisterschaften teil. 1960 wurde er Vizeweltmeister in der Klasse RC1 (heute F3A) in Dübendorf, Schweiz.

 

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Feuervogel

Der perfekte Mehrkanaltrainer.

Da erfolgreiche und selbstkritische Modellkonstrukteure — und Erfolge mit Kunstflugmodellen gegen harte Konkurrenz sind der beste Beweis für harte Selbstkritik — besser als jeder andere über ihre eigenen Konstruktionen Bescheid wissen, haben wir Gustav Sämann, den »Zweiten« auf der Kunstflug-weltmeisterschaft in Zürich 1959, gebeten, über seinen »FEUERVOGEL« zu berichten.

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Durch seinen einfachen Aufbau, seinen »gesäuberten Rumpf« und seine drei verschiedenen, bereits konstruktiv festgelegten Baustufen vom »noch gezähmten« einachsgesteuerten Tiefdecker bis zum Kunstflug-Wettbewerbsmodell ist der FEUERVOGEL in wenigen Monaten eine ganz entscheidend wichtige Konstruktion in der revolutionären Modellklasse der »Vögel mit Pulver« geworden. Er hat in kurzer Zeit schon vielen dazu verholfen, Anschluss an den modernen Mehrkanal-Kunstflug zu finden.

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Wohl selten ist ein Modell so schnell bekannt geworden, wie der »Feuervogel« im Vertrieb der Fa. Webra (Modell und Fein-technik, Berlin). Um es aber gleich vorweg zu sagen: er ist kein Modell für Anfänger. Dieser schnelle Tiefdecker mit einer Spannweite von 1500 mm ist in seinen drei Baustufen sehr vielseitig einzusetzen. Er eignet sich für das neue Rennprogramm der KI. III ebenso wie für das schnelle Erlernen des Kunstfluges mit Mehrachssteuerungen. Gerade dafür fehlte bisher eine geeignete Konstruktion, ein echter »Trainer«, mit dem man sich Schritt um Schritt systematisch vorarbeiten kann.

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Einfache Bauweise — trotz vieler Modifikationsmöglichkeiten

Der Prototyp ist bereits mehrere Jahre alt. Die Konstruktion ist bewusst einfach gehalten.
Durch die weitgehend vorgearbeitete Blockbauweise des Baukastens geht der Zusammenbau sehr schnell vonstatten. Eine gerade Bau- und Bezugslinie des Rumpfes ermöglicht eine schnelle Bauweise ohne besondere Helling oder sonstige Hilfsmittel.

Nur der Plan und ein gerades Brett sind nötig. Die Flächenhälften sind durch ihre Beplankungen der Nase und Endleiste (eine volle Endleiste mit ihrem kritischen Einbau fehlt vollständig), bereits so drehsteif, dass sich eine Helling, der V-Form entsprechend, erübrigt.

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Der Aufbau des Höhenleitwerks ist konventionell, das volle Seitenruder bereits ausgearbeitet. Die Beplankungen der Rumpfoberseite sind gerade und bieten daher keine Schwierigkeit. Das starke vordere Federbein des Dreibeinfahrwerks, das nur noch an den Kopfspant anzubinden ist, schützt Motor und Luftschraube wirkungsvoll. Der Bodenstart mit einem Dreibein-Fahrgestell ist wesentlich einfacher als mit zwei Beinen. Das üble »Herumküseln« auf der Startbahn entfällt vollständig.

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Das Tragflächenprofil ist unkritisch und eignet sich trotzdem hervorragend für Normalflug wie für sämtliche Figuren des Kunstfluges. Der kritische Teil des »Feuervogels« ist, wie bei allen Tiefdeckern, die Einstellung des Höhenleitwerks.

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Sie bestimmt die Lage im Gleit- und Steigflug und übernimmt noch die Aufgabe des Neigungswinkels vom Motor, wie er beim Schulterdecker notwendig ist, bei Tiefdeckern jedoch unliebsame Nebenerscheinungen hat. Tiefdecker benötigen im Gegensatz zum Schulterdecker viel Kraft, um vor allem im Kunstflug sicher zu liegen. Daher sollte mindestens ein guter Motor mit 2,5 ccm, besser einer mit 3,5 oder 5 ccm, auch schon für die erste Baustufe verwendet werden. Die Originalstanzteile entsprechen dieser Stufe für Einachssteuerung.

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Das Einfliegen und die ersten Flüge zum „Bekanntwerden”

Das Einfliegen ist einfach, wenn verzugsfrei gebaut wurde und die Winkel bei der Tragfläche und dem Leitwerk sowie der Schwerpunkt genau eingehalten worden sind. Wer ganz vorsichtig sein will, kann den Schwerpunkt noch etwa um 8 mm weiter vorverlegen. Das Höhenruder sollte zu Anfang fest an die Flosse angeleimt werden, so dass das Gesamtprofil genau symmetrisch ist. Der bereits vorgearbeitete Rechtszug von etwa 3,5 Grad ist ein Mittelmaß für fast alle Motoren. Sogenannte »Verbesserungen« sollten unterbleiben, da sie die Gesamtkonzeption stören und sie sich, wie bei allen wirklich gut durchgearbeiteten Konstruktionen, später als Verschlechterungen bemerkbar machen.

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Selbst mit dem schwierigen Handstart sind Modelle dieses Typs in den verschiedenen Teilen Deutschlands mit der Grundeinstellung auf Anhieb geflogen.

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Der Steigflug kann nach persönlichem Geschmack und Erfordernissen durch Unterlegen von dünnen 0,5 mm starken Brettchen am Höhenleitwerk verändert werden. Der Gleitflug wird dann durch Verlegung des Schwerpunktes eingestellt. Das Seitenruder ist trotz seiner Größe harmlos. Die V-Form der Fläche sollte für Einachssteuerung nicht verkleinert werden, da sonst die Seitenruderwirkung verringert wird. Die Kurven werden nur eingeleitet, dann wird das Ruder neutralisiert. Je stärker der Motor, desto weniger neigt das Modell dazu, auf den Kopf zu gehen. Selbst Steilkurven sind dann unkritisch. Durch Gegenruder ist die Kurve zu lesenden. Von Anfang an gewöhne man sich daran, dass das Modell einen scheinbaren Steuerwechsel hat, wenn es auf einen zukommt. Keinesfalls stelle man sich mit dem Rücken zum Modell und sehe über die Schulter, was man auch »Halswendesteuerung« nennt. Das Umgewöhnen fällt zu schwer, falls man es sich überhaupt abgewöhnen kann. Brüche sind jedenfalls bei dieser Steuertechnik unvermeidlich.

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Durch Verringerung des Einstellwinkels in der Fläche bei gleichzeitiger Zurücknahme des Schwerpunktes wird das Modell zwar noch schneller, jedoch auch kritischer durch einen vergrößerten Abfangradius. Man sollte die Trimmung daher erst bei Mehrkanalsteuerungen anwenden. Zu starkes Aufbäumen gegen den Wind nach den Kurven begegnet man am besten durch kurzzeitiges Drosseln des Motors. Die gute Steuerfähigkeit im Gleitflug erleichtert das genaue Landen wesentlich.

Die Landegeschwindigkeit richtet sich nach dem Gesamtgewicht. Die Flugeigenschaften des Modells werden selbst bei 2500 g nicht beeinträchtigt. Normalerweise liegt das Gewicht bei 2000 g. Der Innenraum des Rumpfes bietet Platz, um jede bekannte Ein- oder Mehrkanalanlage mit Rudermaschinen aufnehmen zu können. Der Schwerpunkt des Modells lässt sich auch ohne Bleizusatz durch Verschieben der Anlage verändern.

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Bitte schrittweise!

Für alle diejenigen, die möglichst schnell das Mehrkanalsteuern erlernen wollen, eignet sich der »Feuervogel« besonders gut; er ist für sie konstruiert. Vor allem aber sollten sie den Rat befolgen, das Modell zuerst wie ein Einachsmodell zu steuern, um so seine Grundeigenschaften kennenzulernen, alles natürlich mit der Grundeinstellung der Baustufe I.

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Wird dann das Höhenrudergestänge so eingehängt, dass der Ausschlag nach oben und unten maximal nur 5 mm beträgt, gewöhnt man sich in größerer Flughöhe langsam an die hohe Empfindlichkeit auf Höhenruderausschläge. Nach und nach ist dann der Ausschlag auf 10 mm zu erhöhen. Auf diese Weise lernt man sehr schnell, das nicht ungefährliche Höhenruder zu beherrschen. Besitzt man genügend Sicherheit, kann man schrittweise den Einstellwinkel in der Tragfläche verringern, wodurch das Modell noch schneller und wendiger wird. Mit zunehmender Sicherheit wird der Wunsch nach Betätigung des Querruders auftreten, was die Steuerung erst vollkommen macht.

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Gustav Sämann Kunstflug Vizeweltmeister 1960Die genaue Lage, Größe und Bauweise der Querruder ist im Plan angegeben. Um größere Massen in den Tragflächenenden zu vermeiden, ist es vorteilhaft, nur eine Rudermaschine in der Tragflächenmitte unterzubringen und über Umlenkgestänge die Querruder anzuschließen. Ausschläge von 12 mm sind dabei vollkommen ausreichend. Durch den Fortfall der langen Zuführungskabel arbeiten die Anlagen besser, da keine Beeinflussung der Antenne in bestimmten Fluglagen durch die Leitungsdrähte eintritt. Die erforderlichen Ruderdrücke sind bei diesem Modell so gering, dass selbst kleine Rudermaschinen völlig ausreichen.

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Auf keinen Fall aber sollte man bei sämtlichen Baustufen auf die Motordrossel verzichten, die manchmal als Notbremse dienen kann und schwere Brüche verhindert.

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Die im Plan angegebene Verringerung der V-Form ist nur für diejenigen von Vorteil, die bereits lange Zeit Mehrachssteuerungen fliegen. Sie wirkt sich praktisch nur bei den Rückenflugkurven aus, erschwert jedoch die Landung bei böigem Wetter. Außerdem kippt das Modell beim Langsamflug leicht über die Fläche ab. Nur schnelles Reaktionsvermögen verhindert dann noch Brüche.

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Der »Feuervogel« ist nicht nur formschön, sondern auch sehr vielseitig und wird sicher noch vielen das sein, was sie seit langem suchten. Es ist ein ausprobiertes, sicheres Modell, das auch den höchsten Ansprüchen gerecht werden kann, — sofern die notwendigen Fähigkeiten dafür erarbeitet worden sind. Denn niemals genügen Ansprüche und Wünsche allein.

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Technische Daten

Spannweite: 1,50 Meter
Länge: 1,05 Meter
Fluggewicht: ca. 2 kg
Motoren: 5 – 7,5 ccm / Elektroantrieb

Gustav Sämann

 

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